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„In Wiesbaden gibt es keinen Mietermarkt! Wer dies behauptet, hat entweder den Bezug zur Realität verloren oder behauptet dies wider besseres Wissen." Mit diesen Worten reagierte der Geschäftsführer des Mieterbundes Wiesbaden und Umgebung e.V., Jost Hemming, auf entsprechende Äußerungen von Haus & Grund (s. WT vom 28.11. und WK vom 30.11.2009).
Schon rein rechnerisch sei dies unzutreffend, erklärte Hemming. Er verwies hierzu auf die amtliche Statistik. Danach gab es in Wiesbaden am 31.12.2008 für 141.072 Haushalte 139.519 Wohnungen. Dies entspreche einem Wohnungsversorgungsgrad von 98,8%. Dabei sei aber eine 3%ige Fluktuationsreserve noch nicht berücksichtigt. Diese müsse aber eingerechnet werden, da erfahrungsgemäß eine entsprechende Anzahl Wohnungen aktuell dem Wohnungsmarkt wegen Leerstandes, Abriss, Umwidmung, anstehender Sanierung oder gerade bevorstehenden Wohnungswechsels gar nicht zur Vermietung zur Verfügung stehe. Unter Berücksichtigung dieser Fluktuationsreserve bestand zum 31.12.2008 in Wiesbaden ein Wohnungsdefizit von mehr als 5.600 Wohnungen.
Die Kluft zwischen Wohnungsangebot und Wohnungsnachfrage habe sich in den letzten vier Jahren wieder vergrößert. Während die Zahl der Wohnungen vom 31.12.2004 bis 31.12.2008 nur um 1,2% zugenommen habe, sei die Zahl der Haushalte im gleichen Zeitraum um 2,7% gestiegen. Dass sich die Situation am Wiesbadener Wohnungsmarkt wieder verschärfe, sei auch daran abzulesen, dass die registrierten inserierten Mietwohnungen von 1.070 im Jahr 2004 um mehr als 37% auf 666 inserierte Mietwohnungen im Jahr 2008 zurückgegangen seien. Eine ähnliche Entwicklung spiegele sich in der Zahl der fertiggestellten Neubauwohnungen wieder.
Mit einem mittleren Mietpreis der inserierten Wohnungen in Höhe von 7,80 Euro pro Quadratmeter kalt und Neubaumieten von über 9,00 Euro pro Quadratmeter liege Wiesbaden unter den 10 teuersten Städten Deutschlands.
Besonders prekär sei die Wohnsituation der einkommensschwächeren Haushalte. Ca. 30% aller Wiesbadener Haushalte lebten an der Armutsgefährdungsschwelle, hätten also weniger als 60% des Durchschnittseinkommens zur Verfügung. Dabei sei die Zahl der Personen mit einem so genannten Existenzsicherungsbedarf (SGB II und SGB XII) in den letzten 15 Jahren von 8,2% (1994) auf 12%! (2007) angestiegen. Einen besonders hohen Anteil machten die Haushalte Alleinerziehender aus. Für diese Bevölkerungsgruppen werde es immer schwieriger, angemessenen Wohnraum zu finden, da der Bestand an preiswertem Wohnraum, insbesondere der Sozialwohnungsbestand, immer weiter abschmelze.
Vor diesem Hintergrund von einem „Überangebot an Wohnraum" zu sprechen, sei mehr als verfehlt. Deshalb ist man beim Mieterbund Wiesbaden im Gegensatz zu Haus & Grund der Auffassung, dass die so genannte Kündigungssperrfristverordnung für umgewandelte Mietwohnungen auch nach dem 31.12.2009 weiterhin für Wiesbaden Gültigkeit haben muss. Nur so sei einigermaßen zu verhindern, dass vor dem Hintergrund einer sich verschärfenden Wohnungsmarktsituation Umwandlungsspekulanten den Mieterinnen und Mietern das Leben wieder schwer machten.