Wiesbaden, den 14.01.2004

Das seltsame Geschäftsgebahren der Viterra

Mieterehepaar M. ist empört. Im Dezember 2002 bezogen sie eine knapp 52 qm große Wohnung in der Platter Straße zum Mietpreis von rund 340,- € kalt. Vermieter war die damalige Frankfurter Siedlungsgesellschaft, heute Viterra Rhein-Main. Ende Juli 2003 erhielten sie von ihrem Vermieter die Aufforderung, für durchgeführte Modernisierungsmaßnahmen ab Oktober 2003 fast 94,- € monatlich mehr Miete zu zahlen, ein Aufschlag von rund 27%. Was sie nur verwunderte: Die Vermietungsgesellschaft teilte selbst in ihrem Schreiben mit, dass die Modernisierungsarbeiten bereits im Jahr 2001 abgeschlossen worden waren. Umso überraschter waren sie, dass sie für die bereits lange vor Beginn des Mietvertrages abgeschlossenen Arbeiten nun mehr Miete zahlen sollten. Hilfesuchend wandten sie sich an den Mieterschutzverein Wiesbaden und Umgebung e.V. in der Adelheidstraße 70. Dort schüttelte man nur den Kopf. „Das erfüllt schon fast den Tatbestand der Täuschung“, erklärte Mietervereinsgeschäftsführer Jost Hemming. Er wies im Auftrag von M. die Forderung der Vermietungsgesellschaft, die inzwischen unter Viterra Rhein-Main fimiert, als unzulässig zurück. Die Wohnung sei am 1.12.2002 zum Mietpreis von 340,- € angeboten und gemietet worden. Am Zustand der Wohnung habe sich seitdem nichts geändert. Wenn nun nachträglich für Modernisierungsmaßnahmen, die bereits im Jahr 2001 abgeschlossen waren, ein Modernisierungszuschlag geltend gemacht werde, müsse sich die Viterra den Vorwurf gefallen lassen, dass Sie die Mieter mit dem Mietpreis getäuscht habe, um sie zum Abschluss des Mietvertrages zu bewegen, erklärte Hemming. Doch die Viterra scheint dies ignorieren zu wollen. Rechtzeitig zwei Tage vor Weihnachten sandte sie Mieterehepaar M. eine Mahnung über insgesamt 292,- € inklusive Bankgebühren und 5,- € Mahngebühren. Und damit M. das Weihnachtsfest auch richtig verhagelt wird, wurde auch gleich noch mit der fristlosen Kündigung gedroht. Beim Mieterschutzverein wundert man sich über das „dreiste Geschäftsgebaren“ der Viterra, sei diese doch bereits vor Monaten in einem gleichgelagerten Fall auf die Unrechtmäßigkeit ihres Vorgehens hingewiesen worden. Dabei versuche diese doch ansonsten mit aller Macht, in der Öffentllichkeit ihre Seriosität als Vermietungsgesellschaft unter Beweis zu stellen. „Rund 165.000 Wohnungen und Häuser vermietet oder verkauft das Immobilienunternehmen Viterra bundesweit, mit den Schwerpunkten Ruhrgebiet und Rhein-Main“, kann man den firmeneigenen Internetseiten entnehmen. „Mit rund 23.000 Wohnungen ist Viterra Rhein-Main einer der größten privaten Wohnungsanbieter in der Region“, heißt es selbstbewußt weiter. Einige hundert dürften es allein in Wiesbaden sein. Und Ende 2002 ging man seitens des Unternehmens mit der Meldung an die Öffentlichkeit, „im Rahmen der Neuorganisation der Viterra Rhein-Main das Betreuungsverhältnis von derzeit 1.400 auf 600 Mieter pro Kundenbetreuer“ zu verbessern. „Dazu wurde in den vergangenen Monaten das Personal aufgestockt und qualifiziert.“ „Wenn das das Ergebnis ist, dass die Mieter mit solchen Tricks abgezockt werden, dann ist es mit der Verbesserung der Kundenbetreuung nicht weit her“, kommentiert Jost Hemming den Vorgang. Beim Mieterschutzverein werde man künftig ein besonderes Augenmerk auf das Geschäftsgebahren der Viterra werfen, zumal dieser Vorgang kein Einzelfall sei. Den betroffenen Mietern hat er geraten, standhaft zu bleiben.

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