Wiesbaden, den 24.10.2007
Nach Auskunft des Mieterbundes Wiesbaden und Umgebung e.V. ist die Landeshauptstadt Wiesbaden die teuerste Wohnstadt Hessens und die 7.-teuerste in der ganzen Republik. Der Mieterbund Wiesbaden bezieht sich dabei auf den Mietspiegelindex 2007 des Hamburger Forschungsunternehmens F+B Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt GmbH, das nun den „F+B-Mietspiegelindex 2007“ vorgelegt hat. F+B verfügt über ein bundesweit einzigartiges Archiv, in dem die Mietspiegel von fast 500 deutschen Gemeinden ab 10.000 Einwohner seit 1995 gesammelt und ständig aktualisiert werden.
Wie der Vorsitzende des Wiesbadener Mieterbundes, Helmut Domann, gegenüber der Presse erklärte, liegt die Durchschnittsmiete für eine 65 m² große Wohnung in Deutschland bei 5,81 Euro je Quadratmeter. Doch die regionalen Unterschiede sind beträchtlich. Unangefochtener Spitzenreiter ist nach wie vor die Stadt München. In München zahlen die Mieter 62 Prozent mehr für ihre Wohnungen als im Bundesdurchschnitt. Bereits an siebter Stelle folgt nach Köln die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden mit Mieten, die rd. 25 Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegen. Die anderen hessischen Städte mit einem Mietspiegel wie Frankfurt und Darmstadt folgen auf den Plätzen 16 und 17 mit jeweils 20 Prozent über dem Niveau des Bundesdurchschnitts. „Zählt man noch die Betriebskosten hinzu, die im Durchschnitt mit 2,70 Euro pro Quadratmeter anfallen, kommt man für eine durchschnittlich ausgestattete Wohnung in Wiesbaden auf einen Gesamtmietpreis von 10,- Euro pro Quadratmeter“, erklärte Domann weiter. Dies bedeute, dass für eine 85 m² große Wohnung insgesamt 850,- Euro Gesamtmiete aufgebracht werden müssen, was eine zunehmende Zahl von Mietern nicht mehr könne.
Und die Tendenz der Mieten zeige weiter nach oben. Erfahrungsgemäß würden im Falle konjunktureller Aufschwungphasen die Mieten zeitversetzt nachziehen. Verschärft werde in Wiesbaden die Situation zusätzlich durch immer mehr in Eigentumswohnungen umgewandelte Altbaumietwohnungen. So seien seit dem Jahr 2000 mehr als 6.300 Altbaumietwohnungen in Einzeleigentum umgewandelt worden. Allein im letzten Jahr lag die Zahl der erteilten Abgeschlossenheitsbescheinigungen für Altbauten bei 1.163 Wohneinheiten. Abgeschlossenheitsbescheinigungen sind unter anderem die Voraussetzung dafür, dass Mehrfamilienhäuser in Einzeleigentum umgewandelt werden können. Durch die Veräußerung von Einzeleigentum, der oftmals aufwendige Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten vorangegangen sind, werde das Mietniveau zusätzlich in die Höhe getrieben. Auf dem preisfreien Wohnungsmarkt in Wiesbaden seien daher preiswerte Wohnungen immer häufiger Mangelware. Die Vermieter könnten selektieren. Auf der Strecke blieben Migranten, Familien mit Kindern, Alleinerziehende, Erwerbsunfähige, Hartz IV-Empfänger oder Schuldner. Diesen bleibe meist nichts anderes übrig, als der Gang zum Wohnungsamt. Allein dort fehlen aber bereits rund 3.000 Wohnungen, um die Haushalte angemessen mit Wohnraum zu versorgen – Tendenz weiter steigend. Obwohl Wiesbaden, gemessen an der Kaufkraft der Einwohner, im Bundesvergleich sicher ebenfalls einen Spitzenplatz einnehme, gehe die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander. Nach Berechnungen des früheren Wohnungsamtsleiters Clemens Altschiller lebten in der Stadt rund 33.000 Menschen – das sind 12 Prozent der Bevölkerung – von staatlicher Hilfe. Vor diesem Hintergrund müssten die städtischen Wohnungsbaugesellschaften, die über einen Wohnungsbestand von rund 33.000 Mietwohnungen verfügen, in eine besondere Pflicht genommen werden. So müsse zum Beispiel die Frage gestellt werden, ob es für die städtischen Wohnungsbaugesellschaften nicht zumutbar sei, sich bei Mieterhöhungs-verlangen und bei Neuvermietung in ihrem preisfreien Wohnungsbestand am unteren Tabellenwert statt am Mittelwert des Wiesbadener Mietspiegels zu orientieren. Bei den 7.-höchsten Mietspiegelmieten in der Bundesrepublik müsse es erlaubt sein, den verantwortlichen Kommunalpolitikern im Rathaus diese Frage zu stellen.