Wiesbaden, den 27.11.2008
Ökologischer Mietspiegel?
Mit Interesse hat man beim Mieterbund Wiesbaden und Umgebung e.V. aus der Presse den Antrag des Umweltausschusses zur Erstellung eines so genannten ökologischen Mietspiegels für Wiesbaden zur Kenntnis genommen. „Bei uns rennt man damit offene Türen ein“, erklärte der 1. Vorsitzende des Vereins, Helmut Domann in einer ersten Stellungnahme. „Die energetische Beschaffenheit der Wohngebäude wird in Zukunft eine immer größere Bedeutung erlangen und damit auch Auswirkungen auf den Mietpreis haben“, erklärte Domann.
Allerdings lägen die Probleme im Detail. Als erstes müsste der Umweltausschuss wahrscheinlich die Interessenvertretung der Haus- und Grundeigentümer von der Richtigkeit des Vorhabens überzeugen. Von Seiten der Vermieterlobby habe man bisher bundesweit immer nur Bedenken gegen ökologische Mietspiegel vernommen.
Sodann müsste die Frage der Datenbeschaffung geklärt werden. Bisher hätten die Interessenorganisation der Mieter und der Vermieter eigenständig die Daten erhoben und auf dieser Grundlage den Mietspiegel erstellt. Dabei habe der allgemeine Zustand und die Frage durchgeführter Modernisierungsmaßnahmen zwar auch schon eine gewisse Berücksichtigung gefunden. Eine gezielte Abfrage nach dem energetischen Zustand eines Gebäudes sei bisher allerdings nicht erfolgt, erklärte Domann. Es sei auch die Frage, wie dies bewerkstelligt werden könne. Die Mieterseite verfüge über keinerlei Informationen zum energetischen Zustand eines Gebäudes. Wenn überhaupt könnten hier nur die Vermieter entsprechende Auskünfte erteilen.
Wahrscheinlich müssten die Informationen über die energetische Beschaffenheit der Wohngebäude in Wiesbaden aber erst einmal beschafft werden. In dem Zusammenhang müssten dann auch gleich die Mieten abgefragt werden, um festzustellen, ob und inwieweit unterschiedliche energetische Beschaffenheiten Einfluss auf die Miethöhe haben.
Die Frage sei, wer die Daten beschaffen und auswerten könne. In Darmstadt, wo es den einzigen ökologischen Mietspiegel in Deutschland gibt, hat diese Arbeit das Institut für Wohnen und Umwelt (IWU) erledigt. Beim Mieterbund Wiesbaden kann man sich aber alternativ auch vorstellen, dass das städtische Amt für Statistik mit Hilfe von repräsentativen Stichprobenerhebungen die notwendige Datengrundlage schafft, auf der dann die Interessenverbände unter Federführung der Stadt einen solchen ökologischen Mietspiegel erstellen.
Beim Mieterbund Wiesbaden sei man jedenfalls für dieses Vorhaben offen.
Druckversion