Wiesbaden, den 13.08.2008

Gewinn auf Kosten der Mieter?

Mit gemischten Gefühlen hat man beim Mieterbund Wiesbaden und Umgebung e.V. die finanziellen Erfolgsmeldungen der GWW zur Kenntnis genommen. (s. WK, WT und FR vom 13.08.2008). „Natürlich ist es auch einem kommunalen Wohnungsunternehmen gestattet, Gewinne zu erwirtschaften“, erklärte Mieterbund-Geschäftsführer Hemming. Es sei allerdings die Frage, wie dies geschehe. Vorliegend geschehe dies in erster Linie auf dem Rücken der Mieter. Das Image der GWW habe in den letzten Jahren stark gelitten. Zu verantworten hätten dies in erster Linie die beiden Namensvettern im Aufsichtsratsvorsitz und in der Geschäftsführung.

Noch nie hätten sich in seiner mehr als 30jährigen Geschäftsführertätigkeit so viele Mieter über die GWW beim Mieterbund beklagt, wie in den letzten vier Jahren. Hemming erinnerte in diesem Zusammenhang an die flächendeckende Mieterhöhungswelle im Jahr 2004, als mehr als 1.800 Mieterhaushalten des Wohnungsunternehmens bis zu 20%ige Mieterhöhungen abverlangt wurden. Inzwischen würden nach einer neuen Mieterhöhungswelle eine Vielzahl von Mieter, die sich gegen die erneute Mieterhöhung zur Wehr setzten, mit Mieterhöhungsprozessen überzogen. Und dass ein ganzes Wohnviertel platt gemacht werde mit allen nachteiligen Folgen für die Mieterinnen und Mieter im Weidenbornviertel, sei ein einmaliger Vorgang. Das Gleiche gelte für die Mieter in der Dantestraße.

Auch im Umgang mit ihren Mietern lasse die GWW allzu oft die notwendige Sensibilität vermissen. Offensichtlich könnten sich die Verantwortlichen der GWW überhaupt nicht vorstellen, was sie mit ihren Ankündigungen, Wohnungen müssten wegen Abrisses oder Modernisierungsmaßnahmen geräumt werden, bei den betroffenen Mieterhaushalten auslösen. Beim Mieterbund bezweifelt man daher auch die angeblich hohe Zufriedenheit unter den GWW-Mietern. Die Praxis spreche eine andere Sprache.

Es sei an der Zeit, dass endlich im Wiesbadener Rathaus eine Diskussion über die Aufgaben und Ziele der städtischen Wohnungspolitik begonnen werde. Es könne nicht länger hingenommen werden, dass das größte kommunale Wiesbadener Wohnungsunternehmen durch ständige Verteuerungen seines Wohnungsbestandes ansehnliche Gewinne erwirtschafte, während gleichzeitig die Zahl der verfügbaren preiswerten Wohnungen dramatisch abnehme und eine steigende Zahl von bedürftigen Haushalten immer größere Probleme habe, sich mit bezahlbarem Wohnraum zu versorgen. Neben der finanziellen Rendite müsste die soziale Verantwortung der kommunalen Wohnungsgesellschaften wieder mehr Bedeutung erlangen.

Druckversion