Wiesbaden, den 21.10.2008

Heuschreckenplage

Da Sie uns mit Schreiben vom… mitgeteilt haben, dass Ihre Mitglieder unserem Aufhebungsvertrag nicht zustimmen werden, weisen wir Sie nunmehr darauf hin, dass wir zum 31.10.2008 die Heizung in dem oben genannten Objekt abstellen werden und 14 Tage später das Wasser abgestellt wird“.

Mit dieser Ankündigung versucht die ehemals gewerkschaftseigene Wohnungsbaugesellschaft BauBeCon Wohnen GmbH die letzten verbliebenen Mieter im Philippsring in Mainz-Kastel aus ihren Wohnungen zu vertreiben.

„Wir sind ja von den Heuschrecken am Wohnungsmarkt einiges gewohnt – das Ausreizen von Mieterhöhungen bis zur absoluten Obergrenze, die Unterlassung von Instandhaltungsmaßnahmen oder Reparaturen - aber das hier schlägt dem Fass doch den Boden aus“, empört sich Mieterbund-Geschäftsführer, Jost Hemming. Hintergrund der Ankündigung der BauBeCon ist ein Schreiben der Gesellschaft vom März diesen Jahres, in dem den Mietern angekündigt wird, dass die vorhandenen Wohnungen aufgrund des „baulichen Zustandes einer baulichen Prüfung und gegebenenfalls einer anschließenden Modernisierung oder Sanierung zu unterziehen“ sind. Dazu sei es notwendig, dass bis spätestens zum 30.06.2008 das Gebäude und alle darin befindlichen Wohnungen leergeräumt sind. Zu diesem Zweck sollten die Mieter einem Mietaufhebungsvertrag zustimmen. Die meisten Mieter sind auch inzwischen ausgezogen. Aber ein kleiner Rest bleibt standhaft. Und diesem wurde nun das Ausschalten der Heizung und die Kappung der Wasserzufuhr angedroht.

„Derartige Vorgehensweisen waren wir in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre allenfalls von den rüdesten Wohnungsspekulanten in Wiesbaden gewohnt“, erklärte Hemming weiter. Sollte die BauBeCon nicht kurzfristig erklären, dass sie auch weiterhin die Beheizung der Wohnung und die Wasserzufuhr gewährleistet, werde man dies mit Hilfe einer einstweiligen Verfügung per Gericht erzwingen. Derartige Wildwestmethoden würden auf jeden Fall nicht hingenommen.

Die BauBeCon gehörte ursprünglich über die gewerkschaftseigene Holding BGAG dem DBG und wurde Ende 2005 zunächst an den Finanzinvestor Cerberus verkauft. Dem Wohnungsunternehmen gehörten ursprünglich 23.000 Wohnungen in ganz Deutschland. Nur eineinhalb Jahre später verkaufte Cerberus die BauBeCon für 1,7 Milliarden Euro weiter. Käufer der BauBeCon waren zu 60 Prozent der Immobilienfond Rreef und zu 40 Prozent die Pirelli Real Estate. Pirelli Real Estate ist die Immobilientochter des italienischen Reifenkonzerns Pirelli. Die börsennotierte Aktiengesellschaft zählt zu den führenden Immobilienunternehmen Italiens.

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