Wiesbaden, den 06.06.2003
Mieterschutzverein: Kritik an Haus und Grund
"Wenn der Vorsitzende von Haus und Grund Wiesbaden, Richard Streim, auf der Jahreshauptversammlung seiner Organisation behauptet, es gebe in Wiesbaden keinen Wohnungsbedarf mehr, dann ist dies entweder der Blindheit einer fehlgeleiteten Interessenpolitik oder einem nicht nachvollziehbaren Realitätsverlust zuzuschreiben", erklärte der Geschäftsführer des Mieterschutzvereins Wiesbaden und Umgebung e.V., Jost Hemming in einer Presseerwiderung auf die Berichte in WK vom 03.06. und WT vom 31.05.2003. Hemming gab dem Vorsitzenden von Haus und Grund den Rat, sich einmal einen Tag lang auf das von ihm so gescholtene Wohnungsamt zu begeben, um zu erfahren, was sich in dieser Republik und vor allem in dieser Stadt tatsächlich abspielt. Die Zahl der sozialwohnungssuchenden Haushalte sei von etwas über 3.000 im Jahre 2000 auf rd. 4.500 im Jahre 2002 gestiegen. Für Familien mit Kindern sei es praktisch unmöglich, im Innenstadtbereich eine adäquate Wohnung zu bezahlbaren Bedingungen zu finden. Der durchschnittliche Mietpreis habe mit rd. 8,00 Û pro Quadratmeter im Jahr 2002 schon fast wieder das Niveau des Jahres 1995 erreicht. Und die Tendenz sei leider weiter steigend.
Ähnlich verlaufe im Übrigen die Entwicklung in den anderen Städten des Rhein-Main-Gebietes wie Frankfurt oder Darmstadt. Die Behauptung eines Überangebotes an Wohnraum sei zumindest für den Rhein-Main Ballungsraum unzutreffend
Als absurd bezeichnete Hemming die Forderung von Streim, das Wohnungsamt abzuschaf-fen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Wiesbadener Wohnungsamtes leisteten gerade im Hinblick auf die Versorgung von Familien mit Kindern und sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen wertvolle Arbeit. Statt den Wohnungsämtern ständig aus ideologischen Gründen Knüppel zwischen die Beine zu werfen, wäre es endlich an der Zeit, dass auch Haus und Grund zu einer vernünftigen Zusammenarbeit mit den Wohnungsämtern zurückkehrt. Wenn Herr Streim bei seiner Forderung bleibe, müsse er sich den Vorwurf der sozialen Kälte und den Schutz des Wohnraumspekulatentums gefallen lassen.
Druckversion