Wiesbaden, den 15.05.2003

Wohnarchitektur aus Sicht ihrer Nutzer

Viel hochwärtige Freiräume, Gartenbezug und große Küchen, das sind die bevorzugten Wohnwünsche von Mietern an ihre Wohnungen. Dies ist zumindest das Ergebnis einer empirischen Untersuchung in den Siedlungen Sauerland, Schelmengraben, Delkenheim und Erbenheim, die der Mieterschutzverein Wiesbaden und Umgebung e.V. zusammen mit dem Wiesbadener Wohnungsamt und der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Hessen mbH (GWH) vor über zwei Jahren in Auftrag gegeben hatte und jetzt der Öffentlichkeit präsentierte. Für den Geschäftsführer des Mieterschutzvereins, Jost Hemming, soll mit dieser Studie eine Art Kontrapunkt zu der bisherigen städtebaulichen Diskussion in Wiesbaden gesetzt werden, die meist nur über architektonisch-ästhetische Gesichtspunkte von au§en geführt werde, die Bedürfnisse der Bewohner aber meist ausblende. Befragt wurden 216 Mieter aus den genannten Siedlungen. Mit der Befragung, die Teil einer bundesweiten Untersuchung in 8 deutschen Städten ist, sollte ermittelt werden, was die Bewohner an ihrer Wohnung schätzen, was sie vermissen und wie sie Wohnungsgrundrisse bewerten, die sie nicht aus eigener Anschauung kennen. Die Untersuchung durchgeführt hat das Potsdamer Institut für Soziale Stadtentwicklung (IFSS), dessen Leiter, Armin Hentschel, die Untersuchungsergebnisse erläuterte. Bei der Bewertung der vier Wohngebiete schnitt die Sauerlandsiedlung mit Abstand am besten ab. Der Überwiegende Teil der Befragten sehen sie als schön, lebendig, durchgrünt (zu 100%) an. Wenn die Mieter mitreden könnten, würden sie sich die Wohnqualitäten des so genannten Gartenhofhauses oder Winkelbungalows wünschen. Diese Wohnqualität zeichnet sich durch einen Innenhof und das Wohnen auf einer Ebene aus. 31,5% der Befragten fanden diesen Grundriss am besten. 73,3% könnten sich vorstellen, darin zu leben. Dabei unterscheidet sich die zugewanderte Bevölkerung in ihren Grundorientierungen auf kleine Häuser mit Garten bzw. Freiraumbezug nicht von der angestammten und meist wohlhabenderen deutschen Wohnbevölkerung. Beide Gruppen wünschen sich nicht nur Freiraumbezug sondern auch gro§e Wohnküchen und eher hierarchische Grundrisse. Alle Beteiligten waren sich darüber im klaren, dass die Ergebnisse auf den sozialen Wohnungsbau nur schwer umzusetzen seien, da sie sehr flächenintensiv und in der Ausführung ökonomisch auch kaum realisierbar seien. Trotzdem könnten die Untersuchungsergebnisse für die weiteren Planungen zum Beispiel bei der Bebauung des Güterbahnhofs West wichtige Entscheidungshilfen bieten. Die Studie mache deutlich, wie wichtig es künftig sei, auch im sozialen Wohnungsbau mehr Wohnqualität umzusetzen, sagte Wohnungsamtsleiter Clemens Altschiller. Dies gelte es bei der Bebauung des Gebietes Güterbahnhof West zu berücksichtigen.

Druckversion