Wiesbaden, den 11.07.2007

Unglaubwürdig und realitätsfremd

„Wer aus Machterhaltungsgründen den Widerstand gegen die Errichtung eines neuen Kohlekraftwerkes auf der Ingelheimer Aue aufgegeben hat, nun aber ein schnelles „Ertüchtigungsprogramm“ fordert, mit dem die mehr als 138.000 Wohnungen und 23.600 Betriebsstätten in Wiesbaden energetisch saniert werden sollen, um den Co²-Ausstoß zu verringern, ist politisch unglaubwürdig“. Mit diesen Worten reagierte der Geschäftsführer des Mieterbundes Wiesbaden und Umgebung e.V., Jost Hemming, auf die Forderungen der Wiesbadener Umweltdezernentin Rita Thieß (Grüne), insbesondere die städtischen und im Besitz der kommunalen Wohnungsbaugesellschaften befindlichen Wohnungen einer schnelleren energetischen Sanierung zuzuführen (s. FR vom 07.07.2007). Es sei schon ein Treppenwitz, wenn Frau Thieß einerseits der „Dreckschleuder“ auf der Ingelheimer Aue aus Machterhaltungsgründen den Segen gebe, dann aber die Forderung erhebe, dass wegen des Klimawandels schneller etwas geschehen müsse. Als realitätsfremd bezeichnete es der Mieterbund des weiteren, wenn die Umweltdezernentin den Eindruck zu erwecken versuche, nach einer durchgeführten energetischen Sanierung eines Hauses hätten die Mieter keine höhere Wohnkostenbelastung zu erwarten. In aller Regel würden nämlich nach Abschluss von Energiesparmaßnahmen die Mieten kräftig steigen. Beim Mieterbund Wiesbaden sei bisher kein einziger Fall bekannt, in dem die erzielte Heizkostenersparnis höher gewesen wäre, als die geforderte Mieterhöhung. Oft sei noch nicht einmal ein „Nullsummenspiel“ erreichbar. Beim Mieterbund halte man zwar auch mehr Energiesparmaßnahmen als bisher in den Mietshäusern für dringend erforderlich. Man warne aber davor, den Mietern Sand in die Augen zu streuen und zu suggerieren, dies alles diene nur dazu, ihren Geldbeutel zu schonen. Mehr Umweltschutz sei nun einmal nicht kostenlos zu haben, erklärte Hemming.

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