Wiesbaden, den 02.03.2007
Steigender Beratungsbedarf bei Mietern
Der Beratungsbedarf der Mieterinnen und Mieter in Wiesbaden und Umgebung steigt unaufhörlich. Wie der Geschäftsführer des Mieterschutzvereins Wiesbaden und Umgebung e.V., Jost Hemming, nach der Auswertung der Beratungsstatistik für das letzte Jahr mitteilte, ist die Zahl der durchgeführten Mieterberatungen gegenüber dem Jahr 2005 um 6,6 Prozent gestiegen. Mit über 10.400 Beratungen wurde erstmals die 10-tausender Schwelle überschritten. Dabei seien rd. 4.000 Telefonberatungen noch gar nicht mitgerechnet. Der ständig steigende Beratungsbedarf – seit 2001 um fast 23 Prozent – und der auch ständig steigende Beratungsumfang im Einzelfall seien ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, dass Mietprobleme und ständig steigende Wohnkosten immer mehr Mieterhaushalte belasten.
Seit Jahren führen die Heiz- und Nebenkostenabrechnungen die „Hitliste“ der Mietprobleme an. Im letzten Jahr entfielen fast 34 Prozent der Beratungen auf die Überprüfung von Heiz- und Nebenkostenabrechnungen. „Und hier scheint auch ein Ende der Fahnenstange noch nicht absehbar“, erklärte Hemming. Im Jahr 2001 seien es „erst“ 28,4 Prozent aller Beratungen gewesen. Bei mindestens der Hälfte aller überprüften Heiz- und Nebenkostenabrechnungen sei ein Fehler aufgedeckt worden oder bestehe zumindest Erläuterungsbedarf. Hier liege jedenfalls das höchste Einsparpotenzial begraben.
Mit Abstand folgten an zweiter Stelle Beschwerden über Mängel in der Mietwohnung. In über 2000 Fällen musste man im letzten Jahr deshalb tätig werden. Und hier mache die Zunahme der Probleme mit Schimmelbildung in Wohnraum inzwischen einiges Kopfzerbrechen. Allzu gerne wimmelten Vermieter Ansprüche von Mietern mit dem Hinweis darauf ab, dass diese angeblich nicht richtig heizen und lüften. Häufig seien aber in Wahrheit bauphysikalische Gründe die Ursache für die Schimmelpilzbildung.
Auffallend ist auch der Anstieg der Mieterhöhungsberatungen um mehr als 23 Prozent im letzten Jahr. Dies ist aber nach Auskunft von Hemming vor allem auf die Neufassung des Wiesbadener Mietspiegels zurückzuführen, der zum 01.01.2006 in Kraft getreten ist. Auch bei der vorletzten Mietspiegelfortschreibung 2001 habe man einen derartigen sprunghaften Anstieg der Mieterhöhungsberatungen festgestellt, danach sei die Zahl aber wieder abgeebbt. In Anbetracht der ständig steigenden Heiz- und Nebenkosten sei der Spielraum für reine Mieterhöhungen auch ziemlich gering.
Alles in allem bestätige der steigende Beratungsbedarf, dass der Druck auf die Mieterinnen und Mieter durch steigende Wohnkosten immer größer werde. Im Durchschnitt müssten Wiesbadens Mieterinnen und Mieter rund ein Drittel ihres Haushaltseinkommens für die Wohnkosten aufbringen. Bei den unteren Einkommensbeziehern liege die Wohnkostenbelastung nicht selten bei 40 bis 50 Prozent. Es sei daher dringend erforderlich, dass das Wohngeld, das nun seit vier Jahren unverändert sei, den veränderten Bedingungen angepasst wird.
Druckversion