Wiesbaden, den 14.02.2006

Nebenkostenchaos in der Galatea-Anlage

Gravierende Fehler in der Nebenkostenabrechnung 2004 hat der Mieterschutzverein Wiesbaden und Umgebung e.V. für Wohnungsmieter in der Galatea-Anlage in Wiesbaden-Biebrich festgestellt. In dem Gebäudekomplex wohnen schätzungsweise ca. 200 Mieterhaushalte. Vermieter bzw. Verwalterin ist die LEG Baden-Württemberg Wohnungsverwaltungsgesellschaft mbH und Co.KG. „Ein derartiges Chaos in einer Nebenkostenabrechnung habe ich in meiner 30-jährigen Berufstätigkeit höchst selten gesehen“, erklärte Jost Hemming, Geschäftsführer des Mieterschutzvereins. Allein bei rund der Hälfte der 20 bis 23 Nebenkostenpositionen sei aufgrund von reinen Rechenfehlern die Verteilung der Kosten falsch, meist zu Lasten der Mieter. „Dass eine so renommierte Verwaltungsgesellschaft nicht einmal die Grundrechenarten beherrscht, ist eine neue Erfahrung“, erklärte Hemming weiter. Die Nebenkostenpositionen für Gebäudereinigung, Allgemeinstrom, Kabelfernsehen, Feuerlöscherwartung und Brandmeldeanlagen erscheinen gleich doppelt und werden über vollkommen unterschiedliche Quadratmeterzahlen verteilt, warum und wieso bleibt im Dunkeln. Vollkommen abstrus seien Versicherungskosten in Höhe von 6,84 EUR für 24.949,39 m² Wohnfläche. Ebenso wenig sei nachzuvollziehen, wieso zum einen für 9.340,96 m² Wohnfläche 401,52 EUR an Allgemeinstromkosten angefallen sein sollen, während dann in einer zweiten Position noch einmal für 475,87 m² Wohnfläche 2.756,56 EUR Allgemeinstromkosten geltend gemacht werden. Dies führe teilweise zu Allgemeinstromkosten von 0,48 EUR pro Quadratmter und Monat, was fernab jeglicher Realität liege. Üblich seien im Durchschnitt 0,04 EUR pro Quadratmeter und Monat Unerklärlich seien auch die Heiz- und Warmwasserkostenabrechnungen. Hier wurden die Brennstoffkosten mit 0,- EUR und Heizungsnebenkosten wie Wartungskosten, Servicekosten, Zählergebühren etc. mit 7.825,73 EUR angegeben. „Daraus errechnet sich: Heizkosten 83,96 Prozent der Kosten der Heizanlage (von 1.466,47) = 22.982,65 EUR“, heißt es in der Abrechnung der Wärmedienstgesellschaft. „Selbst Albert Einstein dürfte diesen Rechenschritt kaum nachvollziehen können“, merkt Hemming lakonisch an. Das Gleiche undurchschaubare Rechenwerk ergibt sich bei den Warmwasserkosten: „60,04 Prozent der Kosten der Heizanlage (von 1.466,47) = 4.390,63 EUR“. Und wie die beauftragte Wärmedienstgesellschaft zu den im einzelnen ermittelten Verbrauchswerten bei den Heizungskosten gekommen sei, könne auch kein Mensch nachvollziehen. „Wenn schon Fachleute, die seit Jahrzehnten mit der Materie betraut sind, dieses Chaos nicht durchschauen können, wie sollen das dann die betroffenen Mieter können?“, fragt Hemming. Er rät allen Mieterinnen und Mietern, Einspruch gegen die Abrechnungen einzulegen und eventuelle Nachzahlungen so lange zurückzuhalten, bis die Abrechnungen entwirrt und korrigiert sind.

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