Wiesbaden, den 12.09.2005

Umwandlungswelle hält an

Das Geschäft mit der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen boomt in Wiesbaden. Diese Schlussfolgerung zieht der Mieterschutzverein Wiesbaden und Umgebung e.V. nach der Auswertung der im letzten Jahr seitens des Bauamtes der Stadt Wiesbaden erteilten Abgeschlossenheitsbescheinigungen. Abgeschlossenheitsbescheinigungen sind unter anderem die Voraussetzung dafür, dass Mehrfamilienhäuser in Einzeleigentum umgewandelt werden können. Wie der Geschäftsführer des Mieterschutzvereins, Jost Hemming, in Wiesbaden mitteilte, vollziehe sich seit dem Jahr 2000 ein dramatischer Wandel am Wiesbadener Wohnungsmarkt. Während von 1994 bis zur Jahrtausendwende die erteilten Abgeschlossenheitsbescheinigungen vorwiegend für Neubauwohnungen erteilt wurden, sei hier ab dem Jahr 2000 ein nachhaltiger Wandel eingetreten. Seit dieser Zeit seien für den Altbaubereich – mit Ausnahme der Jahre 2001 und 2003 – rund dreimal so viel Abgeschlossenheitsbescheinigungen erteilt worden wie im Neubaubereich. Den Rekord verzeichnete das Bauamt im Jahr 2002, als für 1.785 Altbauwohnungen derartige Bescheinigungen ausgestellt wurden, während es im Neubau nur 688 Abgeschlossenheitsbescheinigungen waren. Auch im Jahr 2004 lagen die Abgeschlossenheitsbescheinigungen mit 1.176 im Altbau rund dreimal so hoch wie im Neubau. Aus der Verteilung der erteilten Abgeschlossenheitsbescheinigungen auf Alt- und Neubauwohnungen sei deutlich eine neue Umwandlungswelle ab dem Jahr 2000 erkennbar, erklärte Hemming weiter. Dies sei auch nicht weiter verwunderlich, beteilige sich doch die größte städtische Wohnungsgesellschaft GWW inzwischen ebenfalls an diesem profitablen Geschäft. Die Beantragung von Abgeschlossenheitsbescheinigungen für Altbauten dienten meist einzig und allein dem Ziel, Häuser in Wohnungseigentum aufzuteilen und das Einzeleigentum dann zu veräußern. Oftmals gehe die Umwandlung mit der aufwendigen Sanierung und Modernisierung der Altbauwohnungen einher. Die Folge seien nicht selten kräftige Mieterhöhungen, Kündigungen und als Folge davon die Vertreibung alteingesessener Mieter. Nachdem die Erhaltungssatzung in Wiesbaden gekippt worden sei, gebe es praktisch keinerlei städtisches Instrumentarium mehr, um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten. Die derzeit immer noch geltende 10-jährige Kündigungssperrfrist nach der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen könne leider nicht verhindern, dass die Mieter infolge des Verdrängungsdrucks ihre Wohnung oftmals nicht mehr halten können. Mittelfristig werde sich die Sozialstruktur des Innenstadtbereichs dramatisch verändern. [bild]images/wiesbaden/pm2_414.png[/bild]

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